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Mein offener Brief an Angela Merkel

Wie die meisten bereits wissen, betreue ich seit einigen Jahren Sami, „meinen“ Flüchtlingsjungen aus Afghanistan. Seit kurzem kam ein weiterer junger Mann hinzu, Parviz aus dem Iran, der dort Ingenieur war. Anhand der beiden Männer sehe ich direkt, was in der Politik und Gesellschaft schief läuft – und da ich für klare Statements und Aufforderungen bekannt bin, habe ich die Bundeskanzlerin einfach mal direkt mit einem Brief kontaktiert. Ich bin gespannt, was als Rückmeldung zurückkommt! Wer den Brief im Vorlaut nachlesen möchte, findet ihn hier.

Wie auch bei Sami und Parviz wurde ich damals nicht etwa von der Politik zur Integration motiviert, sondern vielmehr durch Mentoren und vor allem meinem eigenen Willen! Wenn ich mit Sami über Integration spreche, stoßen wir immer recht schnell auf ein zentrales Stichwort: die Berufstätigkeit. Sami ist 19 Jahre alt, arbeitswillig und arbeitsfähig. Von Tag zu Tag langweilt er sich und wünscht sich, seinen Lebensunterhalt selbst zu erarbeiten, anstatt auf staatliche Hilfsleistungen angewiesen zu sein. Doch solange sein Asylantrag nicht fertiggestellt ist (seit fünf Jahren ist dieser bereits in Bearbeitung!), wird Sami sich selbst – und uns Steuerzahlern – überlassen.  Daher habe ich die Bundeskanzlerin aufgefordert, berufliche Perspektiven für Flüchtlinge durch schlanke Prozesse und weniger Bürokratie zu schaffen. Ich bin nämlich der Meinung, dass die gesellschaftliche Integration von Flüchtlingen wie Sami nur zeitgleich mit der beruflichen Integration stattfinden kann!

Deutschland ist ein Land mit einer starken Wirtschaftskraft, berufliche Perspektiven gibt es hier zu genügend. Aber der Fachkräftemangel ist bereits in vielen Regionen eine Wachstumsbremse! Uns fehlen Tausende von Pflegern, IT-Spezialisten, Ärzten, Bademeistern, Hotel- und Restaurant-Fachkräften und und und…  Doch warum werden diese Arbeitsstellen nicht an Flüchtlinge vermittelt oder warum werden Flüchtlinge nicht für diese Branchen ausgebildet? Warum werden Steuergelder jahrelang bereitwillig für Flüchtlinge ausgegeben und gleichzeitig vor allem junge Menschen davon abgehalten sich beruflich zu beweisen? Das jetzige System fördert nicht die Eigenständigkeit der Flüchtlinge, sondern ihre Bedürftigkeit und Schwarzarbeit! Denn nach eigener Einschätzung suchen vor allem junge Menschen immer wieder nach Beschäftigung und nehmen dafür sogar die Illegalität in Kauf. Zudem steht Rentnern, Geringverdienern und Hartz-4-Empfängern weniger Geld zur Verfügung als beschäftigungslosen Flüchtlingen. Da ist es doch kein Wunder, dass der Unmut der Bevölkerung wächst, oder?! Vor allem auch, wenn man hört, dass für viele Flüchtlinge Deutschland wirklich eine Art „Schlaraffenland“ ist, indem man fürs Nichtstun auch noch bezahlt wird. Parviz zum Beispiel stößt mit seinem Ehrgeiz bei anderen Neuankömmlingen auf Unverständnis! Ans Arbeiten denken sie laut Parviz nicht, im Gegenteil. Diese Entwicklung ist traurig und wird vielen Flüchtlingen nicht gerecht – aber genau deshalb muss die Politik etwas ändern!

Ich möchte also folgende Diskussion anstoßen: Warum wird Flüchtlingen hier zu Lande der Zutritt zum Arbeitsmarkt erschwert? Diese Frage hat weitreichende Implikationen, nicht nur für Sami und Parviz, sondern für all diejenigen, die ihr Schicksal in Deutschland selbst in die Hand nehmen möchten. Andere Länder wie die Schweiz oder Kanada haben es auch geschafft, Flüchtlinge effizient und zeitnah beruflich zu integrieren. In der Schweiz hat beispielsweise ein Asylantrag eine zeitliche Höchstdauer von neun Monaten. Sie sind ein Beispiel für uns und ein Zeichen, dass die Politik handlungsfähig sein kann!

Wir müssen endlich nachziehen – zum Glück gibt es bald wenigstens das längst überfällige Gesetz, das es erlaubt, Fachkräfte aus Drittländern an unbesetzte Stellen zu vermitteln. Ein guter Anfang, aber noch längst nicht alles.