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2016: Mein persönlicher Jahresrückblick

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Es ist schon wieder so weit. Das Jahr 2016 neigt sich so langsam dem Ende zu und es ist an der Zeit zurückzublicken.

2016 war für mich ein aufregendes und sehr turbulentes Jahr. Ich erinnere mich an viele schöne, aber auch sehr traurige Momente zurück.

Das Jahr fing holprig an. Da waren die Silvesterereignisse am Kölner Dom, die ich leider am eigenen Leib miterleben musste. Das hat nicht nur mich, sondern ganz Köln erschüttert. Ich lebe seit vielen Jahren mit meiner Familie in dieser Stadt und habe mir bis dato nie wirklich Gedanken gemacht, dass so etwas wie in der Silvesternacht 2015/2016 wirklich passieren könnte. Es war grausam und absolut beängstigend. Da ich in der besagten Nacht mit meiner Familie in der Nähe des Doms unterwegs war, konnte ich mir selbst ein Bild des schrecklichen Ausmaßes machen.

Diese Vorfälle haben eine Dimension erreicht, mit der niemand gerechnet hat. Köln ist in die Mitte der internationalen Berichterstattung gerückt und wird noch lange mit den Folgen der Geschehnisse zu kämpfen haben. Es war mir, als ehemaligem Flüchtlings- und Kriegskind und heute erfolgreich integrierten Geschäftsfrau wichtig, dass ich meine Eindrücke und Erfahrungen, die ich in dieser Nacht mit meiner Familie unfreiwillig machen musste, mit der Öffentlichkeit teile. Im Januar und Februar 2016 wurde ich zu Talk-Shows, wie „Stern TV“ und „hart aber fair“, eingeladen.

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Bildquelle: Jens Krick
Bildquelle: Jens Krick

Nach diesen Auftritten habe ich unheimlich viel positive Resonanz erhalten. Viele haben mir geschrieben, dass ich genau das ausspreche, was viele Menschen denken, sich aber selbst nicht trauen zu äußern. Allerdings wurde ich nach meinen Äußerungen zum Teil auch in die rechte Ecke gestellt. Das ist für mich absolut nicht nachvollziehbar, weil ich selbst Migrationshintergrund habe und auch in der Öffentlichkeit immer wieder betone, dass ich sowohl extrem Linke als auch Rechte verachte und ich mich von diesen Menschen ausdrücklich distanziere. Ich habe von Beginn an nicht verstanden, warum es unsere Politik nicht schafft, Flüchtlinge zu registrieren und Fingerabdrücke zu nehmen. In Deutschland besitzt doch fast jeder Flüchtling ein Smartphone und ist bei sozialen Netzwerken wie Facebook aktiv. Da muss es doch möglich sein, dass diese Flüchtlinge identifiziert sowie registriert werden. Wir leben doch schließlich in einem überbürokratischen Land. Vielleicht hätte man einfach ein paar Knöllchen weniger verteilen und dafür ein bisschen mehr Energie und Aufwand in die Registrierung der Flüchtlinge stecken sollen.

Ich betreue selbst seit mehr als einem Jahr einen Flüchtlingsjungen namens Sami und mir ist es wichtig, dass nicht alle Flüchtlinge über einen Kamm geschert werden. Es gibt Menschen, die sich integrieren wollen, aber natürlich auch andere, die sich gegen unsere Regeln und Gesetze stellen. Es ist die Minderheit, aber genau diese erschweren das Leben aller anderen. Gegen diese Menschen muss der Staat meiner Ansicht nach härter vorgehen. Um in Deutschland leben zu können, muss man sich einfach an die hier geltenden Normen, Regeln und Gesetze halten. Wer das nicht akzeptiert, muss wieder gehen. Für diese Aussage wurde ich als Nazi beschimpft. Da ich derartige Äußerungen nicht akzeptiere, bin ich öffentlich dagegen vorgegangen und habe diversen Zeitungen Interviews gegeben. Das hat wiederum dazu geführt, dass ein Verlag auf mich aufmerksam wurde, der meine Geschichte interessant fand. Sie haben mir angeboten, meine Lebensgeschichte niederzuschreiben und ich habe gar nicht lange überlegen müssen und zugesagt. Quasi über Nacht habe ich das Buch geschrieben – und das alles neben meinen beruflichen und sozialen Verpflichtungen. Am liebsten hätte ich mich geklont, um mehr als 24 Stunden am Tag zu haben!

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Bildquelle: Parham Farajollahi

Im März 2016 fand dann zum 4. Mal der Cologne Business Day unter dem Motto „Industrie  4.0 – Das  Unternehmen von  morgen“ in der IHK Köln statt. Unterstützt wurden wir unter anderem von der Ministerpräsidentin Nordrhein-Westfalens, Hannelore Kraft (Schirmherrin) sowie namhaften Rednern wie Armin Laschet, Vorsitzenden der CDU-Nordrhein-Westfalens, und Günther H. Oettinger, EU-Kommissar für die Digitale Wirtschaft und Gesellschaft. Die Medienresonanz war enorm und auch die Besucherzahlen konnten wir erneut toppen: Über 1.000 Gästen fanden den Weg zum Cologne Business Day. Dieser ist übrigens eins meiner „Babys“ – ich habe ihn 2013 ins Leben gerufen, um dem Kölner Mittelstand eine Plattform zum Netzwerken und Austausch zu bieten. Es macht mich glücklich, dass die Veranstaltung mittlerweile zum Pflichtprogramm für regionale Unternehmen geworden ist und ich bin mir sicher, dass wir 2017, unter der Schirmherrschaft von Christian Lindner, alle bisherigen Erfolge übertreffen werden.

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Armin Laschet, Günter H. Oettinger und Emitis Pohl – Fotograf: Manfred Daams
Emitis Pohl bei der Begrüßung ihrer Eigenveranstaltung Cologne Business Day 2016, Fotograf Parham Farajollahi
Emitis Pohl bei der Begrüßung ihrer Eigenveranstaltung Cologne Business Day 2016 – Fotograf Parham Farajollahi

Erfolgreich ging das Jahr für meine Agentur weiter: Seit 17 Jahren arbeite ich jetzt schon mit dem Caravaning Industrie Verband e.V. zusammen, weshalb es mich umso mehr freut, dass unsere gemeinsame Werbekampagne sowohl mit dem „Oscar“ der Caravaning-Branche, als auch als „Verband des Jahres 2016“ ausgezeichnet wurde. Darauf sind wir alle ganz besonders stolz, denn jeder einzelne Mitarbeiter arbeitet mit unheimlich viel Leidenschaft und Herzblut für den Kunden und aufgrund dessen ist es umso schöner, wenn die Arbeit auch belohnt wird. Auf dem CARAVAN SALON DÜSSELDORF im August haben wir als Agentur gemeinsam mit unserem langjährigen Kunden auf diese Auszeichnung angestoßen. Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, dass ich einige Wochen später eine schreckliche Nachricht erhalten würde.

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Kurz nach der erfolgreichen Messe ist mein langjähriger Freund und Kunde, Hans-Karl Sternberg, plötzlich verstorben. Es war mehr als ein Schock. Ich konnte und wollte es einfach nicht fassen. Das war mit Abstand der traurigste Moment für mich in diesem Jahr. Die Nachricht von seinem Tod hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen. Leider hatte ich kaum Zeit diesen Verlust zu verarbeiten, weil alles andere wie gewohnt weitergehen musste. Zudem habe ich zu diesem Zeitpunkt mein Buch gerade fertig geschrieben. Ein paar Wochen später hielt ich auch schon das erste Exemplar von meinem autobiografischen Roman „Deutschsein für Anfänger – Integration ist meine Pflicht“ in den Händen.

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Ich war so unheimlich erleichtert und glücklich, obwohl ich voller Trauer um einen guten Freund war. Trotzdem, es musste weitergehen. Die Buchpräsentation stand vor der Tür und mein Motto war, ist und bleibt: „Geht nicht, gibt´s nicht.“

Im Oktober organisierten wir dann meine Buchpräsentation im Wartesaal am Dom, die mit über 350 Gästen ein voller Erfolg war. Es war unheimlich viel Presse vor Ort, darunter Zeitungen, Radio sowie Fernsehen. Zu Beginn las ich einige Passagen aus meinem Buch, anschließend fand eine Podiumsdiskussion mit Pfarrer Meurer, Günter Wallraff und Abdelkarim statt. Es war eine tolle Runde mit viel Diskussionsstoff. Zudem haben wir gemeinsam an diesem Abend entschieden, eine Patenschaft für minderjährige Flüchtlinge ins Leben zu rufen. Wir sind der Ansicht, dass Jugendliche Vorbilder und Mentoren brauchen, die ihnen den richtigen Weg aufzeigen und sie bei den einzelnen Lebensabschnitten begleiten und unterstützen. Sami und ich haben dieses Jahr sehr viel erlebt und er ist mir ans Herz gewachsen. Wir hatten in diesem Jahr wahnsinnige Probleme mit dem Jungendamt und der Bürokratie, was mich fast in den Wahnsinn getrieben hätte und mich an meine Zeit als „Flüchtlingskind“ erinnert hat.

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Bildquelle: Parham Farajollahi

In der Flüchtlingspolitik muss sich 2017 eindeutig etwas tun!

Jeder Mensch braucht eine Aufgabe und es kann nicht sein, dass Flüchtlinge in Deutschland beispielsweise nicht einmal ein Praktikum absolvieren dürfen. Dabei wissen wir doch alle aus eigener Erfahrung, dass man ohne Aufgabe und ohne Ziel unzufrieden und unmotiviert ist. Die Flüchtlinge sitzen auf engstem Raum aufeinander und haben keine Perspektive – und genau deshalb kommen viele – nicht alle! – auf dumme Gedanken und geraten auf die schiefe Bahn. Wir müssen aktiver werden und die jungen, fremden Menschen versuchen, mit in unsere Gesellschaft einzubinden. Sie brauchen ein Ziel und Perspektiven. Ich sage immer wieder: Integration ist und bleibt kein Zuckerschlecken, aber es ist machbar. Deshalb hoffe ich auch sehr, dass 2017 unser Projekt „Patenschaft für Flüchtlinge“ erfolgreich startet. Wir haben uns viel vorgenommen und wollen eine Veränderung schaffen.

Nach diesem Abend habe ich unheimlich viele TV-Anfragen erhalten. Ich war auf diversen Veranstaltungen, habe diskutiert und von meinen persönlichen Erfahrungen berichtet. So war ich beispielsweise auch bei der Werkstattreihe „Gemeinsam für ein starkes Deutschland“ mit Dr. Thomas De Maizière, dem Fußballprofi Cacau und vielen anderen, um über die Frage „Wie gelingt Integration? Wie hält eine Gesellschaft zusammen?“ zu diskutieren.

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Ebenso war ich zu Gast bei Maybrit Illner und habe mich zum Thema: „Flüchtlinge unter Verdacht – Willkommenskultur am Ende?“ geäußert. Bei all diesen Sendungen und Veranstaltungen entstanden interessante sowie anregende Diskussionen zum Thema Integration und Politik. Neben all den Fernsehauftritten habe ich allerdings auch einige Interviews für die WELT, BILD, den Kölner-Stadtanzeiger, FOCUS und viele andere Zeitungen gegeben. Ich bin sehr froh und dankbar, dass ich all diese Plattformen nutzen darf, um den Menschen zu zeigen, dass Integration durchaus gelingen kann. Ich habe auch in den vergangenen Wochen täglich Anfragen zugesendet bekommen. Natürlich konnte ich, allein aus zeitlichen Gründen, nicht jeden Termin wahrnehmen. Außerdem muss ich darauf achten, welche Sender und Zeitungen zu mir passen und dementsprechend auch oberste Priorität haben.

Dieses Jahr hatte also viele Höhen und Tiefen. An einiges werde ich mich liebend gerne zurückerinnern – wie der kurze Jahresrückblick zeigt:

Anderes wünschte ich, wäre nie passiert. Besonders wünsche ich, dass kriminelle Flüchtlinge mit aller Härte bestraft und zur Not abgeschoben werden, damit solche tragischen Ereignisse wie in Freiburg nicht mehr passieren. Besonders denke ich in diesen Tagen auch an all die Menschen, die 2016 Opfer der grausamen Anschläge in Paris, Brüssel, Nizza, Berlin und vielen anderen Orten wurden. Ich wünsche allen Hinterbliebenen die Kraft und Stärke, nach vorne zu blicken und den Glauben an das Gute im Menschen nicht völlig zu verlieren.

Für das kommende Jahr wünsche ich mir vor allem mehr Frieden und ein toleranteres sowie harmonischeres Miteinander. Wir dürfen nicht zulassen, dass Terror und Krieg unser Leben bestimmen.

Mit diesen Worten verabschiede ich mich von dem Jahr 2016 und wünsche allen Lesern ein besinnliches Weihnachtsfest im Kreise der Familie sowie einen guten Rutsch ins Jahr 2017!

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