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Warum Frauen im Lockdown doppelt leiden

Die Corona-Pandemie betrifft uns alle. Egal ob alt oder jung, Frau oder Mann. Ob arm oder reich, Unternehmer oder Angestellte – wir alle befinden uns durch die Pandemie im Ausnahmezustand und spüren die Auswirkungen, die das Virus auf unser Leben und unsere Gesellschaft hat.

Trotz dieser Tatsache möchte ich heute ein besonderes Licht auf die Situation der Frauen in dieser Ausnahmesituation werfen. Denn nach jahrzehntelangem gesellschaftlichen Fortschritt hinsichtlich der gesellschaftlichen Stellung von Frauen fühlen sich leider viele Frauen durch die Pandemie in vergangene Zeiten zurückgeworfen.

Besonders kam dies im ersten Lockdown im Frühjahr dieses Jahres zum Tragen. Als die Kitas und Schulen über Monate hinweg ihre Türen schlossen, waren es doch meist die Frauen, denen die Aufgabe zugefallen ist, ihre Kinder tagsüber zu betreuen, sie zu versorgen und sogar zu unterrichten. Gleichzeitig musste dann auch noch der Job im Homeoffice erledigt werden und auch die Hausarbeit pausierte während der Pandemie nicht.

Ich bin daher besonders froh, dass in diesem zweiten Lockdown zumindest die Kitas und Schulen nicht geschlossen werden. Denn für viele Frauen war es eine unglaubliche Belastung, im ersten Lockdown alles unter einen Hut bringen zu müssen. In diesem Zusammenhang sagte mir neulich eine Bekannte spaßeshalber, man solle doch Kinder und Lehrer für die Zeit des Lockdowns gemeinsam in der Schule in Quarantäne schicken.

Mein besonderes Mitgefühl haben dabei alleinerziehende Frauen. Sie haben es in diesen Zeiten besonders schwer und müssen die ganze Betreuung alleine stämmen, ganz ohne Unterstützung durch einen Partner. Auch das Thema Einsamkeit im Lockdown kommt bei ihnen ganz besonders zum Tragen.

Doch auch in Partnerschaften haben es Frauen nicht immer leicht im Lockdown. Denn häusliche Gewalt nimmt in diesen Krisenzeiten zu, wie wir bereits im Frühling erleben mussten. Die Leidtragenden sind in den meisten Fällen Frauen. Die häusliche Isolation, verstärkt durch die existenziellen Sorgen und Nöte und dem damit verbundenen Dauerstress, erhöht das von Partnern und Vätern ausgehende Gewaltrisiko für Frauen und Kinder. Social Distancing, Homeoffice sowie Kita- und Schulschließungen sorgen zudem dafür, dass die Betroffenen es noch schwerer haben, sich in der Not Hilfe zu suchen. Auch ihre Verletzungen fallen in der Isolation oft niemandem auf.

Wirft man einen Blick über den deutschen Tellerrand hinaus, so ergibt sich besonders in armen Ländern ein weiteres Problem, je länger Schulen geschlossen bleiben: Das Risiko junger Mädchen steigt, minderjährig und gegen ihren Willen verheiratet zu werden. Durch die beinahe vollständige mediale Fokussierung auf die Pandemie, Fallzahlen und Auswirkungen des Virus sind solch wichtige gesellschaftliche Themen leider oft völlig außen vor.

Kommen wir trotz aller düsteren Aussichten aber doch wenigstens zu einem positiven Schluss: In der Pandemie hat sich gezeigt, dass die Länder, die von Frauen regiert werden, am besten durch die Coronakrise kommen. Im internationalen Vergleich haben sie weniger Todesfälle zu beklagen und verzeichnen die niedrigsten Infektionsraten. Für mich ein weiterer Grund dafür, dass Frauen in dieser Krise besonders zusammenhalten sollten. Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass die Pandemie uns nicht zurückwirft in vergangene Zeiten!